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Ein neuer Hirsch auf dem Platz - SATA Zusatzkontroller - Realtek Semiconductor RTL9101

Featured Replies

Hallihallo.

Da ich ja mal die FAQ für SATA Zusatzkontroller verfasst habe und vor kurzem bei ALI Express mit etwas Neuem konfrontiert wurde, dachte ich mir, das muss ich mir mal näher anschauen.

Ein SATA Zusatzkontroller in M.2 Bauweise mit 9 SATA Ports.

Ich hatte zuerst angenommen man hätte irgendwie unter den Kühlkörper eine Mischung aus

PCIe Switch und mehreren ASM Kontrollern

oder einen ASM Kontroller mit 1 oder 2 SATA Multipliern gequetscht.

Aber auf den Abbildungen erschien mir das irgendwie ein zu kleiner Kühlkörper um einerseits mehrere dieser Chips zu verdecken und andererseits die extra Abwärme mehrerer Chips abzuführen.

Mit unter 22 Euro incl. Versand kostete es mich nicht viel und sah irgendwie interessant & komisch aus.

Die Anbieter/Verkäufer haben aber nirgendwo geschrieben, was da genau verbaut ist. Also bestellt und ... nach weniger als 2 Wochen hat mir der Postbote die Lieferung heute in die Hand gedrückt.

Zuerst habe ich das Ding mal fotografiert (siehe unten).

Die Platine ist recht dünn.

Schon bei den M.2 ASM1166 hatte man nach Markteinführung der ersten Generation erkannt, daß die mechanische Belastung für eine so dünne Platine etwas viel ist und ab der zweiten (oder war es die dritte?) Entwicklungsstufe wurden zwei Platinen zusammengeklebt, damit es stabiler wird für das Stecken und Entfernen der SATA Stecker.

Hier gibt es nicht nur das Problem der einen dünnen Platine, auch sitzen die SATA Ports so nahe beieinander, daß SATA Stecker mit metallischen Haltenasen durch die extrem nahe daneben liegenden Stecker so blockiert sind, daß man ggf. erst einen der Nachbarn entfernen muß um die gewünschten Stecker rauszuziehen.

Und das eben alles sehr vorsichtig!

M.2 Sockel sind selber schon seehr empfindlich!

Bei der Lieferung lag auch ein Hinweis bei, daß man möglichst nicht auf die Kontakte patschen sollte. Ich kennen von vielen Geräten Hinweise wegen elektrostatischer (Ent)Ladung, aber hier sah mir das Beiblatt doch noch mal etwas eindringlicher aus. Deshalb fasse ich das Ding erst einmal nur sehr vorsichtig an und werde mal eines meiner ESD Armbänder dazu nehmen.

Nun zum technischen: Was haben die da zusammengeschustert?

Zu meiner Überraschung wurde im System Gigabyte B760M DS3H Gen5 (welches ich von vorherigen Tests noch aufgebaut hatte) und gerade unter Windows 11 betrieb nur die Existenz von 2 AHCI Standardkontrollern gemeldet.

Etwas genaue betrachtet erkannte ich dann doch einige Unterschiede in der HardwareID.

Der eine Kontroller meldet sich als Realtek und er andere als Intel.

Intel ist logischerweise auf dem Mainboard fest verbaut, also muß es ein Realtek Semiconductor Chip sein.

Ich wusste zwar, dass Realtek in den letzten Jahren viel mit USB Bridges für SATA (teils auch Raid) und auch NVMe Gehäuse Erfahrung gesammelt hatte, aber dass die sich nun auch auf den SATA Zusatzkontrollermarkt tummeln war mir neu.

Also habe ich erst einmal weiter recherchiert und bin dann auf ein Bild gestoßen, welche wohl die Produktvorstellung des Chips darstellt:

Der Realtek Semiconductor RTL9101

PCIe 3.0 x2 mit 9 SATA als Standardkonformer AHCI Kontroller

Originallink anscheinen 10.Oktober (vermutlich 2025?) ins Netz gestellt (Bild habe ich unten aber auch angehängt): https://imgur.com/a/PmWYO1z

Irgendwie finde ich das Ding spannend und werde es wohl mal in mein Testboard (B760M DS3H DDR4) einbauen und mal ein bisschen messen.

Ich hoffe die Leute von Realtek haben das mal richtig entwickelt und vielleicht ist es ja eine Möglichkeit sparsam 9 SATA Ports an PCIe x2 zu betreiben, denn

PCIe 3.0 x 2 = ca. 2GByte/s ( ca.16 GBit/s) = ca. 220 MByte/s

ist zwar nicht so flott wie ein ASM1166 an PCIe 3.0 x2 mit seinen bis zu 330MByte/s

oder so flott wie ein ASM10164/ASM1164 PCIe 3.0 x1 mit seinen 250MByte/s

... pro SATA Port gleichzeitig

Aber rund 220 MByte/s sind dennoch schon eine bemerkenswerte Geschwindigkeit. Wenn man sich auf diese maximale Geschwindigkeit beim Paritychek/-erzeugung/Rebuild einläßt (weil die Festplatten eben ggf. etwas älter/langsamer sind oder man es eben nicht eilig hat) kann man eine ziemliche Packungsdichte an SATA Festplatten mit ein paar dieser Kontroller erreichen.

Sobald ich neue Erkenntnisse und Messungen habe werde ich das hier berichten.

Bild 1: M.2 Steckkarte Bilder von oben und unten:

TOPPS-9SATA-.jpg

Bild 2: M.2 Steckkarte Bilder von vorn und hinten:

FRONT-END-Zwischenablage.jpg

Mit etwas Neugier meldet er sich unter Windows 11 (Anzeige von Software "UnknownDeviceIdentifier" Version 901):

BOTH-SATA.jpg

Bild 4: Mit etwas Recherche im Netz konnte ich nicht viel finden, aber das hier dürfte wohl die Chipvorstellung auf einer Messe (oder so) sein:

RTK9101--wBGYb1T.jpeg

Bild 5: Unraid 6.12.4 erkennt den SATA Realtek RTL 9101 Chip auch sofort. Da der Chip ggf. neuer als meine alte Unraidversion ist, scheint Realtek hier wirklich einen Standardkonformen AHCI Chip gebaut zu haben:

9-SATA-DEVICE-Screenshot 2025-12-04 012434.png

Edited by DataCollector
Bild 5 ergänzt & Typos

  • Author

Ergänzung:

ich habe mal auf die Schnelle die RTL9101 basierte M.2 Karte mit einem M2->PCIe x4 Adapter in den PCIe x16 Steckplatz (an CPU angebunden) meines

Gigabyte B760M DS3H DDR4 (BIOS F22, wieder mit I3-12100, boxed Kühler, 2x16GB DDR4 Ram...) gesteckt.

Ich habe wieder meine unraid 6.12.4 Testinstallation genommen, da ich davon ausgehe, daß die ASPM Werte wieder okay/enabled sind (was laut Screenshot unten auch so ungefär stimmt.

Nach rund 22 Minuten idle bekomme ich folgende Angaben raus:

BILD A: Gigabyte B760M DS3H DDR4 mit M.2 (+passivem x4 Adapter) im PCIe x16 Slot, welcher direkt von der CPU versorgt wird:

MESSUNG-RTL9101.jpg

Das ich nicht unter C3 kommen stört mich etwas, aber der Verbrauch ist mit ca. 11,80 Watt nicht so schlimm wie ich es bei anderen Szenarien erlebt habe.

Das würde bedeuten, daß der Kontroller idle (ohne angeschlossen SATA Devices) allein rund 2-3Watt schluckt (da das Board nackt/idle sonst eben so um die 9-10W liegt). Eigentlich ein super Verbrauch, da sich überraschenderweise der Grundverbrauch des Mainboard (wenn überhaupt) nur minimal hebt.

Hier hatte ich (mit einem Broadcom SAS Kontroller HBA 9500-8i) 25,1W bei nur C2 idle:

https://forums.unraid.net/topic/156160-gigabyte-b760m-ds3h-ddr4-verschiedene-messungen-werte/page/2/#findComment-1434236

Hier sind auch noch einieg andere Verbräuche, als das Board anfange (2024) noch nicht von mir so ganz optimiert wurde (bevor die Set Befehle für ASPM wirkten meist über 15W):

https://forums.unraid.net/topic/152936-hilfe-bei-entscheidungsfindung-erster-build/#findComment-1367540

Ich stelle mir vor, daß der Zusatzkontroller hochinteresant für das ASRock N100M und N100DC-ITX sein dürfte, wenn man eben doch viel mehr Festplatten anschließen will. Klar würde der Kontroller auch dort das Board im Verbrauch etwas anheben, aber da das Board sowieso sich einen extrem niedrigen Verbrauch hat, könnte es sich dort sogar noch minimal niedriger auswirken. Wenn ich mein N100M demnächst umbaue kann ich das ggf. auch mal prüfen.

Der ASM1166 wird mit einem Eigenverbrauch von geschätzten 1,5-2W veranschlagt... also für die Packungsdichte an Anschlüssen finde ich den RTL9101 (ohne ihn nun unter realten Lastbedingungen getestet zu haben) ziemlich gut.

EDIT:

Und jetzt wird es noch besser:

Ich habe direkt danach den M.2 Kontroller aus dem passiven x4 Adapter genommen und in dem M.2 am Motherboardsende (Chipsatz) platziert.

25 Minuten später:

9,72 Watt (fast so gut wie das Mainboard alleine nackt/idle)

Und C10 wird auch erreicht.

Damit liegt der Verbrauch des Chip alleine idle bei um/unter 1W. Wenn der sich im Dauerbetrieb auch noch stabil zeigt, könnte er den ASM1166 ablösen, wenn es um viele (noch ganz annehmbar schnelle) SATA Ports geht und man es auch noch sparsam will.

BILD B: Gigabyte B760M DS3H DDR4 mit M.2 im M.2 Slot, wlecher direkt vom Chipsatz versorgt wird (am Ende des Mainboard):

MESSUNG-SB-.jpg

Edited by DataCollector
Typos & 2. Messung hinzugefügt, in der der RTL9101 sogar C10 erreicht

Danke für den Bericht.

Die neun Steckplätze auf der Karte sehen schon "witzig" aus. 😀

Sehr hübsch Data, Danke!

Sehr interessant; danke für den Test

-faxxe

Interessanter und ausführlicher Test aber ein Link zu dem getesteten Controller wäre nicht schlecht gewesen.

Ansonsten mag ich deine Test, da sie immer/meistens bis ins Detail gehen.

  • Author

Hallo...

Zwischenstand: so gut wie der Kontroller von den nackten Messungen aussah, so kompliziert gestaltet sich die Inbetriebnahme.

Wie schon angedeutet ist die Platine extrem dünn, so dass man beim Einstecken eines SATA Steckers diese massiv verbiegt. Und dünne Leiterbahnen mögen es gar nicht gedehnt oder gestaucht zu werden.

Also habe ich den Kontroller wieder ausgebaut, (mit Erdungsarmband) von unten per Hand gestützt und dann erst einmal alle 9 SATA Stecker rein gesteckt. danach wieder im M.2 Slot montiert.

Im Anschluss 9 Festplatten aus meinem Fundus zusammengesucht und angeschlossen.

Eingeschaltet und... unraid startet extrem langsam...

Auch wird (wenn unraid mal startet) von den Festplatten immer nur ein Teil angezeigt und wenn ich die mit UD löschen will hängt unraid.

Da die Festplatten bei mir noch zum Testen lagen (ob sie okay oder defekt sind... ) mag es an den Festplatten liegen, aber bisher habe ich es noch nicht geschafft ein stabiles Setup zum Testen mit Festplatten hinzubekommen.

Auch ist das alles zu Testzwecken erst mal nur fliegend verkabelt.

Aus dem Grund bitte ich um Entschuldigung und Geduld, da ich wohl erst mal die Platten alle normal testen und durchsortieren muss, damit ich sicher gehen kann dem Kontroller Platten vorzusetzen, welche (ausreichend) fehlerfrei sind, damit ich abschätzen kann in wie fern hier die Festplatten Mist machen oder der Kontroller eine Macke hat.

EDIT: Mindestens 2 der Festplatten sind so "defekt", daß sie auch andere Kontroller aus dem Tritt bringen, weil sie extrem verzögert reagieren und massive CRC Kommunikationsfehler zeigen. die sind wohl Schrott. Ist zwar schade, daß sich SATA Kontroller dadurch stören lassen, aber das ist wohl dem üblichen Verhalten von SATA geschuldet, welches die Devices bei Initialisierung sequentiell in einem bestimmten Zeitmuster nacheinander abfragt.

Um ein Problem mit meinem dem Kontroller auszuschließen werde ich wohl auch noch mal einen Zweiten ordern, was aufgrund der Lieferzeiten dann wohl bis um Weihnachten dauert, bis er bei mir ankommt (falls er es durch die Weihnachtspaketflut rechtzeitig schafft).

EDIT: Wie ich gesehen habe, sind die M.2 Kontroller auch bei Amazon angekommen. Sie kosten zwar 6-7 Euro mehr pro Stück, aber dafür sollte der schneller eintreffen.

Vielleicht habe ich ihn auch mechanisch wirklich zu viel belastet und die Leiterbahnen beschädigt? Ich werde berichten...

Edited by DataCollector

  • Author
On 12/4/2025 at 8:58 PM, Roddi said:

Interessanter und ausführlicher Test aber ein Link zu dem getesteten Controller wäre nicht schlecht gewesen.

Ich hatte diesen Beitrag leider übersehen. Sorry!

Den AliExpresskontroller hatte ich hier getestet (aktuell ist der weitere Test on Hold wegen Festplattenproblemen).

Den Amazonkontroller habe ich nun parallel bestellt, um (wenn ich wieder genug nutzbare Festplatten zusammen habe) zu schauen, ob der identsich ist und sich identisch verhält.

Anbei die Links.

https://de.aliexpress.com/item/1005009934906417.html

https://www.amazon.de/dp/B0FN6LJS3Q

Edited by DataCollector

Moin zusammen,

ich habe die gleichen Probleme mit dem Controller, wie DataCollector. Der Controller selbst wird korrekt erkannt, aber auch bei mir startet das System sehr langsam und es wird nur ein Teil von definitiv voll funktionsfähigen Festplatten erkannt.

Für mich aktuell keine Alternative zu dem verbauten ASM1166. Der Controller ging zurück zu Amazon.

Gruß,

Markus

  • Author

Nur mal so als Zwischenstand, weil ich nach der langen Pause um Info gebeten wurde.

Ich habe einige meiner Festplatten aus meinem Fundus durchgetestet und dabei ausreichend viele als fehlerfrei zusammengesammelt (keine Auffälligkeiten in den Smartwerten und einmal komplett geschrieben und gelesen. Keine Real.Sec. keine pending Sec. keine UDMA CRC Fehler...

Aktuell bin ich dabei den 9Port Kontroller von AliExpress unter Windows11 zu testen.

Ich begann bei 1 HDD & schließe nun immer (während PC ausschaltet ist) eine Festplatte mehr an. Dann lasse ich die angeschlossenen Disks gleichzeitig mit HDTunePro erst einige Zeit beschreiben (zwischen 20 Minuten und einigen Stunden) und danach auch lesen (ebenfalls zwischen 20Min - einige Stunden).

1-8 Festplatten (gemischt zwischen 16TB und 8TB): keine Probleme.

Als ich die 9. Disk angeschlossen und PC neu gestartet und Tests durchgeführt hatte, bekam ich auf der 9. Disk Lesefehler zu sehen.

Alle 8 anderen Disks Tests abgebrochen. Nur die eine 9. Disk neu von vorne getestet: keine Fehler mehr gefunden.

Ich bin nun einen Schritt zurück gegangen und habe alle Disks auf 8TB Modelle geändert, die Anschlüsse gewechselt (so das jede Disk nun an einem anderen SATA Port des selben 9Port Kontrollers hängt) und teste gerade mit 8 Disk gleichzeitig neu durch. (eine 9.Disk ist nicht an Strom oder SATA Datenkabel).

Komisches Verhalten: mit den 8x 8TB Disks hat der Kontroller beim Booten vor der BIOS Mainboardmeldung eine eigene BIOS Meldung ausgeworfen:

"Port 0 Device not ready (TFD=0x80)"

Sowas hatte ich bei meinen ersten Test mit Disks auch schon mal, war aber dann zwischendurch verschwunden. Dennoch sieht Windows alle aktuell angeschlossenen 8 Disks und beschreibt/liest sie bisher problemlos.

Dieser Meldung werde ich mich voraussichtlich später mal annehmen, da ich aktuell nicht erkennen kann ob es an einer speziellen Disk liegt oder am Kontroller oder wo sonst.

Wenn das komplett (11,5h schreiben + 11,5h lesen/verify) mit den 8 Disks fehlerfrei durch lief, werde ich es erneut mit 9 Disks gleichzeitig probieren.

Danach werde ich einen anderen 9Port SATA Kontroller (baugleich, gekauft bei Amazon) nehmen und das dort auch mal probieren.

Durch dieses aufwändige hin und her will ich herausbekommen ob ich beim ersten Kontroller vielleicht etwas geschrottet habe oder der RT9101 in der aktuellen Form vielleicht noch ein Problem mit seiner Firmware hat und vielleicht nur 8 SATA Ports gleichzeitig zuverlässig bedienen kann.

Auch werde ich durch den Porttausch ja sehen ob es vielleicht auch wirklich nur die Festplatte ist, die an dem einen Port vielleicht Schluckauf hat.

Sollte sich ein Belastungsproblem mit allen 9 Ports bei beiden Kontrollern zeigen, werde ich als nächstes ein leistungsfähigeres Mainboard/CPU verwenden, weil mir schon damals bei einem Intel Skylake i5 aufgefallen war, daß die CPU sich zwar langweilte (CPU Anzeige im Windows Taskmanager), aber dennoch gleichzeitige Tests von mehr als 10 Disks gleichzeitig sich immer wieder unerklärliche Problem zeigte, ich schätze die Plattform (DMI/PCIe) selber kam da irgendwie nicht mehr hinterher und hat ab und zu mal ein Bit verloren).

Und wenn ich dann so ungefähr sehe, wie sich der RT9101 verhält hetze ich wieder mal unraid auf das Ding los, da ich dann ja weiß ob/inwieweit die angeschlossenen Festplatten da unter Windows verhalten.

Soviel zum aktuellen Stand. Ich bin also nicht untätig, es ist nur eben wirklich sehr mühselig und zeitaufwändig.

Edited by DataCollector

  • Author

So, nachdem ich genug Zeit ver(sch)wendet habe: mein persönliches Endresultat.

Ich persönlich vermute: Der Kontrollerchip ist aktuell mit dem Handling von 9 Festplatten gleichzeitig überfordert.

Wie komme ich darauf?

Ich habe nun 2 dieser RT9101 Chips auf den schon erwähnten filigranen M.2 Steckkarten getestet (eine Karte bei AliExpress gekauft, eine Karte etwas später bei Amazon). Beide habe bei meinen Versuchen ein instabiles Verhalten gezeigt, welches immer häufiger auftrat, wenn man mehr als 6 Festplatten gleichzeitig angeschlossen hatte und somit gleichzeitig angesprochen werden sollten.

Wie früher schon angedeutet habe ich unter Windows 11 stetig die Anzahl der angeschlossenen Festplatten (wirkliche mechnaische Festplatten! Keine SSDs) erhöht (natürlich beim Umbau/Aufrüstung immer ausgeschalteter PC und mit Antistatik Band an Masse). Bei bis zu 6-7 Festplatten lief in der Regel alles gut ab und der Kontroller konnte die vorher als fehlerfrei und funktionsfähig getesteten Festplatten mit über 200 MByte/s schreiben und lesen. Auch die Smart Werte wurden problemlos gelesen und angezeigt (alles mit HD Tune pro).

Ab 7 oder mehr Festplatten kam es beim Kaltstart (=Einsachalten) zu Verzögerungen und gelegentlich Meldungen schon vor dem Mainboard BIOS:

"Port ... Device not ready (TFD=0x80)". Diese Meldungen waren bei einem danach anschliessenden Warmstart (bei identischer Verkabelung) seltener.

Bei 9 angeschlossenen SATA Festplatten wurden sogar 2 Ports mit einem zeitlichen Abstand zueinander gemeldet.

Gelegentlich hat das dann gestartete Windows aber mal 1 oder auch 2 Festplatten weniger (als angeschlossen) angezeigt, ab und zu aber auch alle angeschlossenen Festplatten (bis zu 9 Stück). Mal half ein neuer Kaltstart, mal half ein Warmstart (Reset/Reboot), mal half nichts von dem und es fehlte die eine oder andere Festplatte über mehrere Starts hinweg (ohne Hardwareumbau).

Auch konnte ich dann (alle in Windows angezeigten) Festplatten mit einer SMART Abfrage erfolgreich auslesen. Sobald ich aber dann begann auf die Festplatten zu schreiben zeigte sich, dass mindestens 1 oder ab und zu sogar 2 auf einmal extrem verzögert bedient wurden und entweder mit wenigsten MByte/s oder sogar gar nicht beschrieben oder gelesen werden konnten. Auch die Smartabfragen bei den betroffenen Festplatten funktionierten auf einmal nicht mehr.

Nun zu unraid: Hier war es noch schlimmer.

Zusätzlich von den oben schon erwähnten Kontrollermeldungen vor dem MainboardBIOS, bei großer Anzahl von Festplatten, kam eigentlich immer zu irgendwelchen komischen Bootmeldungen (beim Start des Linux selber), die auf Probleme mit dem Kontroller oder einem/mehrerer SATA Devices hinwiesen. Ich bin keine Fachperson für Linux, aber das sah schon sehr "strange" aus. Teilweise versuchte Linux durch neue Initialisierung der Schnittstelle(n), ggf. auch mit niedrigerer Geschwindigkeit, der Sache bei zu kommen, aber selten konnte unraid bis zum normalen Betrieb durchstarten und noch seltener hat es dann überhaupt eine oder 2 der angeschlossenen Festplatten im Main Tab zur Auswahl angezeigt um daraus eine Array oder so zu erstellen. Auch in den Tools / System Devices wurde nur ein kleiner Teil der angeschlossenen Festplatten angezeigt.

Nicht zu verschweigen: durch diese ganzen Fehler/Probleme hat sich die Bootzeit (wenn es mal erfolgreich durchgebootet ist) massiv erhöht. Ich meine hier Zeiten >30 Minuten.

Randnotiz:

Warum schreibe ich so "schwammig" mal von 6-7 oder auch 1-2?

Weil sich wirklich fast jedes Mal das Verhalten des Kontrollers instabil/leicht unterschiedlich zeigte und immer wieder mal veränderte. Mal lief er gerade mit 7 Festplatten noch gut, danach hat er nach einem Reboot auf einmal bei einer der 7 Festplatten gebockt, obwohl sich an der Hardware nichts geändert hat.

Fazit:

Aktuell sehe ich zur Zeit keinen wirklichen Grund diesen RT9101 als Kontroller einzusetzen. Bis ca. 6 Festplatten hat er bei mir in den Tests keine relevanten Probleme gezeigt, aber dafür haben wir auch den ASM1166 mit vergleichbaren Ergebnissen.

Bei mehr als 6 Festplatten kann es klappen oder auch total schief gehen und das sogar ohne an der Hardware etwas zu ändern.

Ich vermute ganz stark, daß der Kontroller bei dem gleichzeitigen Handling zu vieler Festplatten nicht alle rechtzeitig abfragen kann und somit Meldungen/Befehle/Checkmeldungen verloren gehen. Das würde auch erklären, warum beim Kaltstart ab und zu der eine oder andere SATA Port aussteigt. Die Platten melden sich fast gleichzeitig, aber der Kontroller kann alle Meldungen nicht gleichzeitig entgegen nehmen und dann kommt es zu solchen Meldungen. Das danach gestartete Windows fragt die Ports sequentiell ab und und deshalb waren dann ab und zu dennoch alle Platten da.

Sobald aber dann auch unter Windows alle Platten angesprochen werden (alle beschreiben oder lesen).. kommt es wieder zu Blockierungen.

So toll wie die Eckdaten des Kontrollers klingen, so schlecht kamen die beiden Exemplare bei mir in diesen Tests mit der Situation klar.

Das mag sich mit einer anderen Firmware verändern/-bessern, aber ich habe (aktuell) keine gefunden.

Deshalb ersehe ich zur Zeit keinen wirklichen Grund diesen RT9101 als Kontroller einzusetzen.

Zusatzinfo:

Die M.2 Bauform in dieser Ausführung für 9 SATA Ports ist zwar super kompakt, hat aber erhebliche Nachteile:

Wie schon angedeutet wurden hier bei beiden Exemplaren die Platinen extrem dünn ausgeführt. Wenn man SATA Stecker einstecken wollte, ohne die Platine von unten zu Stützen, biegt die sich sehr stark durch.

Vergleichbar schwierig ist es einen SATA Stecker da raus zu fummeln. Vor allem, wenn die SATA Stecker diese metallischen Haltenasen haben. Man kommt mit den Fingern ( oder auch dünner Zange) immer nur gut an den Stecker am einen Rand heran. Mittlere oder Stecker am anderen Rand sind dann kaum schadlos zu entriegeln/entfernen.

Vielleicht bekommt Realtek den Chip mit 8 SATA Festplatten stabil und dann baut vielleicht jemand diesen Chip zusammen mit 2 SAS üblichen SFF Stecken auf eine Platine, dann wäre es eine wirklich interessante Lösung.

Oder man findet den RT9101 auf einer normalen PCIe Steckkarte (wie im Bild von der Vorstellung).

In jedem Fall vermute ich, dass es für die Firmware/Verbesserung noch einige Entwicklungszeit braucht. Ich hoffe RealTek gibt diesen Chip nicht direkt wieder auf, sondern steckt da noch Entwicklungszeit/-geld rein.

Es wird so langsam Zeit für neue und sparsame SATA Kontroller mit mehr als 6 nativ angeschlossenen SATA Ports (welche aber dann auch stabil funktionieren).

Vielleicht mal einen 8 Port Kontroller auf PCIe 4.0 x1 Basis (für kommende Boards mit PCIe 4.0 x1 Slots) oder )wenn ich mal träumen darf): PCIe 3.0 oder 4.0 x4 Steckkarten (elektrisch!) mit 16 oder gar 32 SATA Ports nativ am SATA Chip angeschlossen (ohne Portmultiplier oder PCIe Switche).

So und noch angenehmen heiligen Abend und ruhige Feiertage! 🎅

EDIT 1: Die Tests in einem anderen/leistungsfähigeren PC System habe ich dann doch unterlassen. Die Tests selber waren schon so nervig/frustrrierend genug.

EDIT 2: Anbei doch noch mal ein paar Screenshots:

Ein paar Meldungen, die der Kontroller auf dem Bildschirm auswirft, bevor das MainboardBIOS sich dann meldet.

Hier hat der AliExpress Kontroller mal Bauchschmerzen mit Port 5:

KVM port-2025-12-04-15-33-09-130#.jpg

Hier hat der AliExpress Kontroller mal Bauchschmerzen mit Port 0:

KVM port-2025-12-18-06-36-34-863#.jpg

Je mehr Festplatten es werden sind es dann auch mal mehrere Ports beim Kaltstart:

KVM port-2025-12-19-01-57-52-506#.jpg

Einmal wurden auf einmal mehr Infos ausgeworfen. Ich war selber überascht, kann damit aber auch nicht viel anfangen. Anscheinend hat hioer mal der DMA Access nicht richtig funktioniert.

KVM port-2025-12-19-02-01-46-582#.jpg

Danach hat der selbe Kontroller bei einem Warmstart/Reset wieder eine Port nicht gefunden:

KVM port-2025-12-19-11-55-57-931#.jpg

Dann nach dem Tausch der Kontroller hat der zweite Kontroller (Amazon Kauf) auch Portprobleme angezeigt:

KVM port-2025-12-23-12-22-51-381#.jpg

So sieht es übrigens unter Windows aus, wenn man auf alle erkannten SATA Festplatten an dem selben Kontroller schreibt. alle grün (Schreiben erfolgreich) bis auf einen, den der Kontroller wohl nicht mehr bedienen kann (wohlgemerkt: alle Festplatten wurden vorher alle am Onboard SATA Kontroller des Mainboard auf Fehlerfreiheit getestet!). Man beachte, daß durch den Fehler die SATA Disk 8 (die mit den roten Blocks) aus dem Taskmanager verschwunden ist!

KVM port-2025-12-23-13-02-03-767#.jpg

Und so startet unraid mit dem Kontroller und 8 angeschlossenen SATA Disks (bzw. es startet nicht. Nach etlichen Minuten habe ich diesen Bootvorgang abgebrichen, weil es nicht weiter ging):

KVM port-2025-12-23-16-19-33-310#.jpg

Man erkennt hier in der Fortsetzung, wie Linux auch versucht der Sache mit niedrigerer Schnittsterllengeschwindigkeit der Sache entgegen zu wirken.... leider erfolglos:

KVM port-2025-12-23-16-19-45-762#.jpg

Edited by DataCollector

Ich hoffe ich hab jetzt nix überlesen in der Eile heute abend...

Ich hatte bzgl. Der Festplatten Erkennung Mal das gleiche verhalten wie du. Ich allerdings als ich einen B560m Server von 6 auf 12 Platten via ASM1166 aufgebohrt habe. Das Problem war am Ende das 300-350W Netzteil (no Name Kram). Mit 550W dann keine Probleme mehr.

Deswegen die Frage, bist du sicher daß das Netzteil nicht das Problem ist? Vielleicht noch im Kontext das der RTL Controller vielleicht kein delayed spinup der Platten nacheinander macht sondern alle Platten nahezu gleichzeitig hochdrehen will auf der 12V schiene des Netzteils? Und dadurch zu hohe Powerbelastung auf 12V?

Gruss,

Joerg

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